England im Zeichen der Rosenkriege \(bis 1485\): Streit um den Thron


England im Zeichen der Rosenkriege \(bis 1485\): Streit um den Thron
England im Zeichen der Rosenkriege (bis 1485): Streit um den Thron
 
Das englische Territorium war vorerst abgerundet, als Wales nach zwei Kriegen, 1277 und 1283/84, unterworfen worden war und weitere Aufstände, 1287/88 und 1294/95, erfolglos geblieben waren; das eroberte Gebiet fiel direkt an die Krone. Dagegen scheiterte der Zugriff auf Schottland. Die hier gewonnenen militärischen Erfahrungen, insbesondere die Erkenntnisse über die Möglichkeiten des Einsatzes von Langbogenschützen und über die Grenzen des traditionellen ritterlichen Kampfstils, sollten sich im Hundertjährigen Krieg als vorteilhaft erweisen. Verlorene Kronrechte versuchte Eduard I. mittels umfassenden Untersuchungen in Form der writ of quo-warranto wiederzuerlangen: Die Rechtsinhaber mussten den legalen Besitz ihrer auch finanziell nutzbaren Gerichts- oder Herrschaftsrechte durch königliches Privileg nachweisen. Eine konsequente Durchsetzung des Beschlusses musste trotz Erfolgen am Widerstand des Adels scheitern, sodass schließlich eine Ausübung der Rechte seit 1189 als Legitimation genügte. Dennoch zeigt der Versuch eine zunehmende Verrechtlichung in den Beziehungen zwischen Krone und Adel, einhergehend mit der Einrichtung einer königlichen Juristenausbildung. Auch das Verbot von Landschenkungen an die Kirche hatte in der Realität keinen Bestand.
 
 Die Stärkung des Parlaments
 
Außerordentliche Steuern hatte der Herrscher prinzipiell in Krisenzeiten erheben können, seit dem 13. Jahrhundert war dazu jedoch der Konsens der Untertanen über das Vorhandensein einer solchen Notlage erforderlich, aus der sich zunehmend das Recht auf die Bewilligung derartiger Forderungen entwickelte. Neben dem Hochadel, der ohnehin schon aufgrund des Lehnsrechts zum Beraterkreis zählte, wurden 1265 erstmals zusätzlich je zwei Ritter pro Grafschaft (shire) und zwei Bürger jeder Stadt zum Parlament (parliament) geladen. Auch wenn zunächst häufig Parlamente ohne eine derart breite Basis einberufen wurden, setzte sich die Einbeziehung der vom König persönlich eingeladenen Lords, dem englischen Hochadel (peers), und der gewählten Commons, also Niederadel, Bürgertum und Freibauern, als Mitglieder der Parlamente mit der Zeit durch. Den Anspruch, das Volk zu vertreten, verloren die Lords um die Mitte des 14. Jahrhunderts gegenüber den gewählten Mitgliedern des Parlaments; die Commons waren nun ein fest etablierter politischer Faktor. Als eine zentrale Aufgabe sahen die Commons den Ausbau eines geregelten Gerichtswesens, die Durchsetzung der Friedensrichter in den Grafschaften und die Besetzung der Gerichte auch mit Personen des eigenen Standes. Ab 1429/30 mussten die Vertreter der Grafschaften ein bestimmtes Mindesteinkommen aus freiem Besitz nachweisen, um für das Parlament gewählt werden zu können. Obwohl breitere Einwohnerschichten zugelassen waren, blieb die Institution doch deutlich von demokratischen Strukturen entfernt. Das Parlament musste vom König einberufen werden und konnte erst dann seine Tätigkeit aufnehmen. Die Zusammentritte erfolgten daher unregelmäßig, gehäuft dann, wenn der Herrscher Finanzmittel benötigte. 1376 benutzte das Good Parliament erstmals das Verfahren des impeachment: Die Commons erhoben Anklage, die Lords fungierten als Richter, um Korruptionsvorwürfe gegen Berater und Vertraute König Eduards III. zu erheben und diese zu verurteilen. Einen Teil der Beschlüsse machte aber bereits das folgende Parlament zunichte. Grundsätzlich blieb das impeachment ein machtvolles Instrument gegen den König, wurde jedoch selten genutzt.
 
 Sozioökonomische Veränderungen
 
Von der Agrarkrise des 14. Jahrhunderts blieb das Inselreich nicht verschont. Auf den Rückgang der Bevölkerung nach der Pest reagierte die Krone mit scharfen Preis-, Lohn- und Arbeitsgesetzen sowie Versuchen, die Mobilität vor allem der Landbewohner zu beschränken, was mittelfristig erfolglos blieb. Der Bauernaufstand von 1381, eine Reaktion auf soziale Spannungen und politische Krisen, konnte niedergeschlagen werden, markiert aber das Ende einer Epoche. Der von John Ball, neben Wat Tyler bedeutendster Führer der Aufständischen, in einer Predigt benutzte Spruch »Als Adam grub und Eva spann, wer war denn da ein Edelmann?« dürfte für viele den zugrunde liegenden gesellschaftlichen Gegensatz treffend erfasst haben. So zielte auch die Bauernerhebung auf eine Auflösung der Feudalstrukturen. Die Stellung der Bauern hatte sich immerhin als Folge der Verknappung der Arbeitskraft nach der Großen Pest verbessert; für die Überlassung von Land konnten die Bauern nun höhere Löhne fordern. Vielfach gaben die Grundherren daher die Selbstbewirtschaftung auf und gingen dazu über — zumal der Bevölkerungsrückgang die Agrarpreise fallen ließ —, Land zu verpachten. Eine weitere Auswirkung der Arbeitskraftverknappung war die Aufgabe des Getreideanbaus zugunsten der Weidewirtschaft; die nun (teils) privaten Parzellen wurden zum Schutz gegen fremde Nutzung mit Hecken (enclosures) umgeben. Im Unterschied zum Kontinent schwand in England während des 15. Jahrhunderts die persönliche Abhängigkeit der Bauern, ohne dass dies allein grundlegend bessere Lebensbedingungen für den Einzelnen bedeutet hätte. Zusätzlich veränderten Ausbau und Intensivierung der gewerblichen Produktion spätmittelalterliche ökonomische Strukturen. So löste die Textilproduktion den zuvor betriebenen Export des Rohprodukts Wolle ab.
 
Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts blieb die »Außenpolitik« durch den Hundertjährigen Krieg mit Frankreich und dessen Bündnis mit Schottland bestimmt. Außenpolitische Erfolge und Misserfolge wirkten auch direkt im Inneren. Im Anschluss an die erfolgreichen Schlachten auf dem kontinentalen Festland konnte der Herrscher seine Steuerforderungen in der Regel problemlos durchsetzen und seine Position stabilisieren. Dazu bot der Krieg vielen Adligen Beschäftigungsmöglichkeiten, neben zum Teil hohen Lösegeldeinnahmen konnten sie von Einkünften aus Verwaltung und Verteidigung des englischen Festlandbesitzes profitieren. Eine Vielzahl von Soldverträgen zwischen der Krone und dem Adel mit genauen Angaben über Dienstpflichten, Sold, Beute sowie Größe des Verbandes sind überliefert; sie stellten das wichtigste Rekrutierungssystem jenseits traditioneller und kaum noch aktivierter Lehnsbindungen dar. Gegenüber der Papstkirche, die als Verbündeter Frankreichs betrachtet wurde, beschloss das Parlament 1366 die Aufhebung der von Johann 1213 zugestandenen päpstlichen Lehenshoheit und verbot zehn Jahre später die Besteuerung des englischen Klerus durch den Papst.
 
 Wechselnde Machtverhältnisse
 
Die Stabilität des Herrschaftssystems blieb eng an die Loyalität mächtiger Adliger gegenüber dem König gebunden, die dieser auch durch Vergabe von Ämtern und Besitz erhalten musste, zumal im 14. Jahrhundert durch das Aussterben etlicher Familien und durch Heiraten große Herrschaftsbereiche rivalisierender Magnaten entstanden waren, die in den folgenden Jahrzehnten die Politik mitbestimmen sollten. Von Richard II., der mit seiner Krönung als Zehnjähriger 1377 die volle königliche Gewalt übernommen hatte, erzwang das Parlament in Erwartung einer französischen Invasion 1386 ein Kontrollgremium. Im folgenden Jahr verlor sein Heer eine Schlacht gegen die Magnaten. Dennoch wandte man sich nicht gegen Richard II. selbst, sondern gegen dessen engste Berater, die so offiziell als Verantwortliche für die Probleme galten, und verurteilte diese wegen Hochverrats. Die Rückkehr seines Onkels John of Gaunt 1389 ließ Richards Einfluss wieder wachsen, die Kontrollkommission hatte er bereits aufgelöst. 1394 konnte Richard erfolgreich in Irland intervenieren und die königliche Verwaltung straffen.
 
Im Innern sah sich Richard der Opposition von Teilen des Adels gegenüber. Gegen die Appellanten, die adligen Ankläger von 1387, ging Richard ab 1397 offensiv vor: Thomas Woodstock, Earl of Gloucester, ein Onkel Richards, starb im Gefängnis in Calais. Er wurde vermutlich auf Richards Anweisung ermordet. Richard Fitz- Alan, Earl of Arundel, ließ er wegen angeblichen Hochverrats hinrichten, Thomas, Earl of Warwick, verbannen. Schon zuvor waren die beiden anderen Appellanten, Heinrich Bolingbroke und Thomas Mowbray, auf die Seite des Königs gewechselt, wurden dann aber beide wegen eines Streites 1398 verbannt. Allerdings nahm Bolingbroke die Umwandlung der ursprünglich zehnjährigen Verbannung in eine lebenslängliche und die Konfiskation des Besitzes der Lancaster nach dem Tod seines Vaters John of Gaunt zum Anlass, seinerseits aktiv zu werden. Gemeinsam mit dem verbannten Bruder und dem Sohn des hingerichteten Richard FitzAlan — anschließend einer seiner wichtigsten Militärbefehlshaber — landete er in Yorkshire, wo die Gruppe sofort Zulauf vom nordenglischen Adel erhielt. Zwar kehrte Richard II. aus Irland zurück, doch nach der Landung in Wales löste sich sein Anhang weitgehend auf. Heinrich Bolingbroke konnte nach Darlegung seiner nicht unumstrittenen Erbansprüche im Parlament und der Zustimmung der Lords 1399 selbst den Thron besteigen. Etliche Anhänger Richards versuchten erfolglos eine Verschwörung, nach deren Beendigung der ehemalige König in der Haft getötet wurde. Zwar folgten dem Regierungsantritt Heinrichs IV. außen- und innenpolitische Krisen, doch konnte sich der Lancasterkönig trotz vorhandener Legitimationsprobleme und trotz der Kritik des Parlaments — die bis 1405 unternommenen und meist erfolglosen Feldzüge gegen Schottland waren kostspielig — durchsetzen und auch nach einer schweren Erkrankung seine Position wieder festigen.
 
Die Regierungszeit seines Sohnes, Heinrichs V., war von der Wiederaufnahme der Kämpfe in Frankreich geprägt. Der Sieg bei Agincourt 1415 und das planmäßige Vordringen ab 1417 schlossen Adel und Krone enger zusammen. Die Anerkennung Heinrichs durch Burgund verbesserte die Perspektiven auf den Erwerb der französischen Krone. Ein Aufstand von Lollarden, Wanderpredigern und Anhängern Wycliffes, scheiterte ebenso wie eine Verschwörung etlicher Magnaten 1415. Als Heinrich 1422 starb, musste für seinen erst einjährigen Sohn und Thronfolger ein Regentschaftsrat eingesetzt werden: In Frankreich konnte Herzog John von Bedford, Bruder Heinrichs V., die Rolle des Regenten unangefochten übernehmen, während in England der jüngste Bruder Humphrey, Herzog von Gloucester, rasch in Konflikt mit den mächtigen Mitgliedern des Regentschaftsrates geriet, die de facto die Regierungsgewalt innehatten.
 
Nach der persönlichen Regierungsübernahme Heinrichs VI., der wohl labil und leicht beeinflussbar war, versuchten die Lords dessen Freigebigkeit gegenüber seinen Günstlingen weitgehend erfolglos zu bremsen. Die Vergabe von Krongut war bereits seit Jahrzehnten angesichts der desolaten Finanzsituation der Krone und der Steuerforderungen Kritikpunkt der Commons. Entscheidenden Einfluss gewann der königliche Rat zunächst unter der Führung von Henry Beaufort und nach dessen Tod 1447 unter der des Herzogs von Suffolk, William de la Pole. Gloucester, um dessen Person sich die zunehmende Unzufriedenheit hätte kristallisieren können, starb nach einer vom Herzog von Suffolk initiierten Verhaftung unter ungeklärten Umständen. Im Unterschied zum 2. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts wirkten nun die Erfolge Frankreichs negativ auf die Insel zurück. De la Pole wurde 1450 einem Impeachmentverfahren unterworfen und auf seinem Weg ins Exil getötet. Eine Revolte von Bauern und Handwerkern unter dem militärisch begabten Jack Cade, dessen Herkunft ungeklärt ist, blieb erfolglos, erinnerte aber an die bäuerlichen Unruhen gegen Ende des 14. Jahrhunderts.
 
 Die Rosenkriege
 
Weiterhin rivalisierten Adlige um die Macht als Ratgeber des seit 1453 aus gesundheitlichen Gründen regierungsunfähigen Königs. Zunächst konnte Edmund Beaufort, Herzog von Somerset, die führende Rolle übernehmen. Er war ein erbitterter Gegner des Herzogs Richard von York, der die »Nachfolge« des Herzogs von Gloucester angetreten hatte. 1454 wurde Richard von der Ratsversammlung der Lords zum Protektor ernannt. Auch die Adels- auseinandersetzungen im Norden des Landes verwiesen auf die unsichere Lage. 1455 konnte Richard von York mit den verbündeten Neville bei Saint Albans seinen Rivalen, der in diesem Kampf fiel, und dessen Anhang schlagen. Dies gilt als der Beginn der Rosenkriege, die zu diesem Zeitpunkt wohl noch kein Kampf um die Krone waren. Der Name »Rosenkriege« ist nicht zeitgenössisch, sondern dürfte bald nach Beendigung der Kämpfe aufgekommen sein und basiert darauf, dass beide rivalisierenden Geschlechter die Rose als Symbol (York: weiße Rose, Lancaster: rote Rose) im Wappen führten. Nach dem Verlust der Besitzungen in Frankreich konzentrierte sich der Adel wieder auf die Interessen im Inneren, auf den Kampf um die Beteiligung an der Macht, begünstigt durch die Schwäche Heinrichs VI., dessen Sohn Eduard 1453 geboren wurde. Die führenden hochadligen Dynastien hatten sich mit Gefolgsleuten umgeben, um ihre Positionen auszubauen; der jeweilige Anhang sah in ihnen den eigentlichen Garanten der Sicherheit angesichts einer krisenhaften Situation auch in der Justiz, die auf höchster Ebene zunehmend parteilich agierte.
 
1460 konnte Richard von York die Niederlage des Vorjahres und die Ächtung der Yorkisten durch ein königstreues Parlament militärisch wettmachen und in London einziehen, das Richard Neville, Earl of Warwick, von Calais aus besetzt hatte. Der König befand sich in seinen Händen und Richard von York erhob offen den Anspruch auf die Königswürde. Nach zähen Verhandlungen mit Lords und Commons einigte man sich darauf, dass Richard als Erbe Heinrichs eingesetzt werde. Das erstrebte Ziel vor Augen wagte Richard mit unterlegenen Kräften eine weitere Schlacht gegen die Lancaster im Norden, die unter der Führung Königin Margaretes von Anjou, von walisischen und schottischen Einheiten unterstützt, das Schlachtfeld siegreich verließen; Richard selbst starb. Noch im gleichen Jahr musste sich auch Richard Neville, langjähriger Verbündeter des Hauses York, geschlagen geben; Heinrich VI. konnte befreit werden. Doch erwiesen sich die Erfolge der Lancaster rasch als kurzlebig: London versperrte der siegreichen, aber hier unbeliebten Königin den Einzug, zumal ihre Truppen den Zug nach London für Plünderungen nutzten. Das war ungewöhnlich, die Kämpfe blieben sonst weitgehend auf die beteiligten Armeen selbst beschränkt, sodass die Bevölkerung nicht in dem auf dem Kontinent üblichen Maße Verheerungen ausgesetzt war. Auch militärisch wendete sich das Blatt, als das Aufgebot Eduards von York, des Sohns Richards, und Richard Nevilles nun seinerseits das Lancasterheer vernichtend schlug. Heinrich VI. und Margarete flohen nach Schottland. Im Sommer 1461 proklamierten die Londoner Einwohnerschaft und sein Heer Eduard IV. zum Gegenkönig. Gegen ihn formierte sich im Norden für drei Jahre der Widerstand, erst dann konnte er sich durchsetzen. Nach einem Friedensschluss mit Schottland wurde Heinrich VI. 1465 gefangen genommen und in den Londoner Tower gebracht.
 
Zwischen Richard Neville, der nicht ohne Grund als »Königsmacher« bezeichnet wurde, und Eduard kam es jedoch anschließend wegen der Heirat des Königs mit der nicht dem Hochadel entstammenden Elisabeth Woodville und der Entlassung des Kanzlers George Neville 1467 zum offenen Konflikt. Der Earl of Warwick verbündete sich mit Eduards Bruder George und besetzte London. Zunächst schien der Earl of Warwick, der ins Lager der Lancaster wechselte, die Oberhand zu behalten, und Heinrich VI. wurde erneut als König eingesetzt. Doch auch die neue Machtverteilung war nicht von Dauer. Bereits 1471 gelang es dem Heer des aus Burgund zurückgekehrten Eduard — er war an den Hof Karls des Kühnen geflohen —, die Gegner bei Barnet und Tewkesbury getrennt zu schlagen; die Königin Margarete wurde gefangen genommen und Heinrich VI. im Tower ermordet.
 
Danach war die Position Eduards IV. gefestigt. Die bisher in Nevillebesitz befindlichen Grafschaften Warwick und Salisbury gingen zudem nach dem Aussterben der männlichen Linie in den Kronbesitz über. Vorrangiges Ziel musste nun die Reorganisation von Verwaltung und Justiz sowie die Stabilisierung des Königtums sein. Noch einmal unternahm man 1475 bei sonst eher vorsichtiger Expansionspolitik einen Versuch, die Festlandsterritorien zurückzugewinnen. Er blieb zwar erfolglos — das geplante gemeinsame Vorgehen mit Karl dem Kühnen kam nicht zustande —, führte aber doch zu dem Zugeständnis von Geldzahlungen. Im Inneren baute Eduard seine Position mit der Einrichtung der königlichen Kammer aus, wobei die Krondomäne finanziell intensiver genutzt wurde und aufgrund der ökonomischen Erholung auch sonstige Einnahmen anstiegen. Dadurch entfielen in der Regel weitere Steuerforderungen und damit ein potenzieller Konfliktfaktor. Da so das Parlament kaum zusammengerufen werden musste, konnte es auch nur in geringem Umfang aktiv werden. Durch die Besetzung des councils (»Gerichtshof«) mit Juristen und weiteren Beamten verlor der Hochadel weiter an Einfluss auf die Politik.
 
Trotz der Erfolge zeigte sich beim Tod Eduards IV. 1483 die vorhandene Instabilität: Sein gleichnamiger Sohn war zunächst bei den Woodville verblieben, während sein Bruder Richard von Gloucester als Protektor vorgesehen war. Im Bündnis mit dem Herzog von Buckingham, Heinrich Stafford, bemächtigte sich Richard seines Neffen und übernahm zwei Monate später selbst die Königskrone. Als Rechtfertigung diente die Behauptung, dass die Ehe seines Bruders ungültig gewesen sei und damit keine Ansprüche der Kinder Eduards bestünden. Eduard V. und sein Bruder Richard wurden kurz darauf im Tower umgebracht. Die mit Usurpation und Mordvorwurf begründeten Erhebungen, an denen sich auch der anschließend hingerichtete Stafford beteiligte, hatten keinen Erfolg. Dennoch konnte sich die Opposition rasch formieren. Im Zentrum stand der in die Bretagne geflüchtete und mütterlicherseits von John of Gaunt abstammende Heinrich VII., der Begründer der Tudordynastie, der die Lancasteransprüche repräsentierte. Mit Unterstützung des französischen Königs Karl VIII. landete Heinrich mit einem kleinen Kontingent in Wales, das rasch durch unzufriedene Adlige anwuchs. Der Tod Richards III. 1485 in der Schlacht von Bosworth beendete die Rosenkriege.
 
In der folgenden, mit Heinrich VII. beginnenden Tudorherrschaft wurde die Macht der Krone unter Anknüpfung an Eduard IV. weiter auf Kosten der Magnaten gestärkt und so ein Grundstein für die expansive Politik der folgenden Jahrhunderte gelegt. Das Bild der Rosenkriege und das der Yorkkönige blieb lange durch die negative Chronistik der Tudorhistoriographen gezeichnet. Diese Chronistik war dazu bestimmt, die Leistungen des Hauses Tudor zu dessen Legitimation hervorzuheben, zumal die Kronansprüche Heinrichs VII. mit Unsicherheiten behaftet blieben und letztlich nur auf dem Sieg von Bosworth beruhten.
 
Prof. Dr. Ulf Dirlmeier und Dr. Bernd Fuhrmann
 
Weiterführende Erläuterungen finden Sie auch unter:
 
England unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. (1509 bis 1603): König Blaubart und die Feenkönigin
 
Grundlegende Informationen finden Sie unter:
 
Frankreich und England im Hochmittelalter: Auf dem Weg zur Nation
 
Hundertjähriger Krieg und burgundische Großmacht: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte
 
 
Eiden, Herbert: »In der Knechtschaft werdet ihr verharren. ..«. Ursachen und Verlauf des englischen Bauernaufstandes von 1381. Trier 1995.
 
Geschichte Englands. Krieger, Karl-Friedrich: Band 1: Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert. München 21996.
 Holt, James C.: Magna Carta. Cambridge 21992. Nachdruck Cambridge 1994.

Universal-Lexikon. 2012.

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